Wissenschaftliche Aspekte

LABORGERÄTE Analysensysteme, Peripherigeräte und Verbrauchsmaterialien
LABOREINRICHTUNG Labormöbelsyteme von Köttermann, Waldner, Flores Valles und anderen
CONTAINER-LABOR Mobile oder semistationäre Labore im Container oder auf dem Trailer
SENSORIKLABOR Sondereinrichtung für die sensorische Produktkontrolle
TRAINING Training der Anwender sowie Vorbereitung zu Zertifizierungen
INSTALLATION Installation von Laboreinrichtungen

Durchführung sensorischer Tests unter kontrollierten Bedingungen im Sensoriklabor

Menschen sind in ihrer Wahrnehmung leicht ablenkbar und beeinflussbar. Gerade die chemischen Sinne Geruch und Geschmack liefern im Vergleich zu den funktional überlegenen Sinnen des Sehens und Hörens weniger klar strukturierte, unzuverlässigere Sensationen, und es ist schwierig, die Substanzen, die z.B. in Nahrungs- und Genussmitteln enthalten sind, differenziert wahrzunehmen. Insofern ist es im Rahmen von Sensoriktests von immenser Bedeutung, möglichst alle potenziellen Störfaktoren auszuschalten. Erfahrungsgemäß gelingt das nur bei einer Testdurchführung unter streng standardisierten Laborbedingungen.

Um sensorische Tests professionell durch zu führen, reicht es nicht, über geeignete Prüfmethoden und Testpersonen zu verfügen. Nur wenn auch die Räumlichkeiten und die Ausstattung entsprechende (bauliche und technische) Kriterien erfüllen, erhält man Daten mit wissenschaftlicher Aussagekraft.

Beispielsweise bedarf es bestimmter Ausstattungsmerkmale, die „normale“ Labore nicht aufweisen, um Störfaktoren für die Sinne auszuschalten. Dazu gehören Einzel-Testplätze, eine spezielle Lichttechnik, geräuschdämmende Baumaterialien, ein abgetrennter Vorbereitungsraum evtl. mit Küche und direkter Durchreiche zu den einzelnen Testplätzen u.v.m. Die Standardisierung der Tests wird unter anderem dadurch gewährleistet, dass alle Testplätze identisch ausgestattet sind, die Lichtsituation unabhängig von Tageszeit und Testplatzanordnung im Raum individuell steuerbar ist und das Klima entsprechend regulierbar ist.

Zielvorgaben

Wissenschaftliche Zielvorgaben Maßnahmen
Reproduzierbare (reliable) und gültige (valide) Ergebnisse Geeignete Testpersonen und Methoden, Ausschaltung von Störgrößen
Statistisch auswertbare Ergebnisse Standardisierung der Testbedingungen, Ausschaltung von Störgrößen
Unabhängige objektive Ergebnisse Keine Beeinflussung durch das durchführende Personal, Ausschaltung von Störgrößen

Während der Testsituation sollen die Testpersonen:

  • Sich wohl fühlen, durch eine ergonomische Sitzposition, bequeme Stühle und ein angenehmes Klima
  • Einheitliche, standardisierte Testbedingungen vorfinden
  • Keine psychologische Einflussnahme erfahren
  • Nicht abgelenkt oder unterbrochen werden, d.h. Abwesenheit von Störgrößen

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Rahmenbedingungen

Ausschaltung von Störgrößen

Zu den Störgrößen zählen alle Faktoren, die die Wahrnehmung der Testpersonen beeinflussen oder
allgemein zur Ablenkung führen können.

Deshalb sind Maßnahmen zu ergreifen, die zur Vermeidung bzw. Minimierung von folgenden Aspekten führen:

  • Umgebungsgeräuschen
    • Testplätze nicht in unmittelbarer Nähe von Klima- oder Produktionsanlagen –
    • interne Lärmbelästigung vermeiden
    • Prüfraum nicht direkt zur Straßenseite hin – externen Lärm vermeiden
    • Geräusch minimierende Bodenbeläge
  • Fremdgerüchen
    • Abzugs/Lüftungsanlage mit ausreichendem Luftaustausch pro Stunde
    • Druckunterschied zwischen Vorbereitungsraum und Prüfraum: der Prüfraum weist idealerweise einen etwas höheren Luftdruck auf
    • Verwendung geruchsinerter Materialien für Böden, Tapeten und Kabinen – beispielsweise keinen Teppich als Bodenbelag
  • Visuellen Reizen wie Lichtreflexe, Schatten, irritierende Farben
    • Ausschluss von Tageslicht
    • Neutrale Farbwahl (weiß, hellgrau) bei Einrichtung, Decken und Wänden
    • Rotlicht bzw. Grünlicht zur Maskierung verschiedener Produktfarben
    • Weißes Licht mit einer Beleuchtungsstärke von 1000-1500 Lux
    • Gleichmäßige blendfreie Ausleuchtung
  • Klimaeinflüssen
    • Konstante Temperaturverhältnisse (Klimaanlage)
    • Konstante Luftfeuchtigkeit
  • Einflussnahme/Ablenkung durch Test-Nachbarn bei Einzelprüfungen
    • Einzelkabinen bzw. Trennwände zwischen Testplätzen
  • Einflussnahme durch Kontakt mit Personal oder Einblick in Vorbereitungsraum
    • Streng abgetrennter Vorbereitungsraum ohne direkten Zugang vom Prüfraum
    • Durchreichen mit minimalem Einblick in Vorbereitungsraum
Standardisierte Testbedingungen

Tests unter Standard-Bedingungen helfen, Ergebnisse von hoher Qualität zu erzielen und dabei zeit- und kosteneffektiv zu agieren. So ist es wichtig, neben der Schaffung von einheitlichen Bedingungen im Labor auch besonderes Augenmerk auf die standardisierte Zu- und Vorbereitung der zu testenden Proben zu legen. (Manche Testbedingungen sind produktabhängig zu standardisieren). So sollte Bier bei der Verkostung standardmäßig eine andere Temperatur (+6°C) haben als Rotwein (+16°C). Folgende Bereiche sind standardisierbar.

  • Personalergonomie
  • Testumgebung
  • Vorbereitung/Zubereitung
  • Proben-Kodierung
  • Testabläufe
  • Zeitvorgaben
  • Auswertung

Beispiele:

  • Verkostung bei stets gleicher Produkttemperatur
  • Identische Mengen und Probendarreichungen für alle Probanden
  • Identische Testplatz-Ausstattung
  • Identische Lichtsituation an jedem Testplatz
  • Testdurchführung laut einem vorher definierten Zeit- und Ablaufplan
Geeignete Probanden

In Abhängigkeit von der Fragestellung werden Tests mit sensorisch geschulten internen oder externen Expertenpanels, eigenen Mitarbeitern oder untrainierten Konsumenten durchgeführt.

Ungeschulte Laien (Verbraucher oder Mitarbeiter) werden für affektive Prüfungen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Fragestellungen zur Beliebtheit – Präferenz – oder Annahmebereitschaft – Akzeptanz - von Produkten. Ermittelt werden soll die subjektive Produktbeurteilung des Einzelnen.

Analytische Prüfungen werden mit ausgebildeten Prüfpersonen durchgeführt. Sie liefern objektive Ergebnisse im Rahmen der Identifizierung und Quantifizierung sensorischer Produkteigenschaften sowie der Unterschiedsfeststellung zu anderen Produkten.

Bei den hierzu eingesetzten Probanden handelt es sich um sensorisch ausgebildete Mitarbeiter oder Mitglieder externer Panels. Diese haben beispielsweise eine Grundschulung nach DIN 10961 durchlaufen:

  • Erkennen der Grundgeschmacksarten
  • Unterschiedstests
  • Aroma-Wahrnehmung
  • Schwellenprüfung

Wichtig ist, die sensorischen Fähigkeiten in regelmäßigen Abständen zu trainieren und zu überprüfen. Manche Testes erfordern Panels mit sogenannten Expertenprüfern. Diese weisen zusätzliche produktspezifische Kenntnisse auf.

Geeignete Prüfmethoden

Es existieren im Wesentlichen 3 Arten von Prüfmethoden. Es gilt, die „richtigen“ Fragen zu stellen und diese dann mit Hilfe geeigneter Verfahren klären zu lassen.

  • Hedonische Prüfverfahren
  • Diskriminative Verfahren
  • Deskriptive Verfahren

Unterschiedstest und Beschreibende Prüfung werden zu den analytischen Verfahren zusammengefasst.

Hedonische oder auch affektive Prüfverfahren befassen sich mit der subjektiven Produktbeurteilung. Dazu zählen:

  • Beliebtheitsprüfungen
  • Präferenztests
  • Aversionstests
  • Langeweiletests
  • Dauerpräferenztests

Analytische Prüfverfahren ermitteln die Produktwahrnehmung. Dabei unterscheidet man:

  • Diskriminative Verfahren –Unterschiedstests: Es werden mehrere Produkte miteinander verglichen. Angewendet wird dieses Verfahren z.B. beim Rohwarenaustausch, bei Änderung des Produktionsverfahrens oder bei Reklamationsfällen. Beispiele für Unterschiedstests:
    • Rangordnungsprüfung DIN 10963
    • Dreieckstest ISO 4120
    • 2 aus 5 Prüfung
    • Paarweise Unterschiedsprüfung
  • Deskriptive (beschreibende) Verfahren: Sie dienen dazu, sensorische Eigenschaften zu beschreiben und zu die Intensität dieser Eigenschaft zu quantifizieren. Sie sind wichtiger Bestandteil der Produktentwicklung. Beispiele:
    • Einfach beschreibende Prüfung DIN 10964
    • Beschreibende Prüfung mit anschließender Qualitätsbewertung DIN 10969
    • Profilprüfung DIN 10967
    • Quantitative-Deskriptive-Analyse (QDA)
    • Texture-Profil-Methode
    • Free-Choice-Profiling

Nutzen

  • Die Prüfpersonen können sich auf die Proben und Produktvariationen fokussieren – man erhält valide, reproduzierbare und statistisch auswertbare Testergebnisse
  • Kapazitäten werden effizient genutzt
  • Aufwendigen/unnötigen Testwiederholungen wird vorgebeugt

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